Von Heilkräutern, Hausmitteln und Zahnbürsten

In der Bregenzerwälder Gemeinde Au bietet Drogistin Marion Bär-Beer (38) ein großes Sortiment an Natureilmitteln und Tees.

Wer die Alpendrogerie Beer in Au betritt, begibt sich auf eine Art Zeitreise. Aromatische Düfte liegen in der Luft. An den Wänden reihen sich in raumhohen Regalen unzählige Fläschchen, Tuben und Tiegel aneinander. In der Tee-Ecke finden sich Mischungen aller Art. Alle fein säuberlich beschriftet. Daneben stehen auf einem Holztischchen kleine Glasglocken unter denen sich Riechproben befinden. Dekoriert ist der überschaubare Verkaufsraum mit alten Gefäßen und nostalgischen Fotoapparaten, welche für eine hübsche Kulisse sorgen. Im Schrank hinter der Theke werden in grüngelben Verpackungen verschiedenste Kräuter aufbewahrt. Davor steht eine Frau mit kurzen blonden Haaren. Sie ist ganz in weiß gekleidet und füllt gerade Rosenblätter in ein Säckchen ab. Es handelt sich hierbei um Marion Bär-Beer (38), die Inhaberin der Alpendrogerie.

Die Bregenzerwälderin ist im wahrsten Sinne des Wortes in einer Welt voll von Kräutern und Pflanzen aufgewachsen. „Wie es halt so ist, wenn die Eltern eine Drogerie betreiben“, sagt sie und lacht. 1965 hatte ihr Vater Herbert die Alpendrogerie Beer im Dorfzentrum der Gemeinde Au gegründet. Ein gerahmter Flyer erinnert noch heute an den Tag der Eröffnung. Im Sortiment hatte der Drogist von Chemikalien, Kosmetik, Kinderpflegeartikel über Spirituosen, Haushaltsartikel sowie Farben, Lacke und Schädlingsbekämpfungmittel alles zu bieten. Auch die Foto-Ausarbeitung zählte zum Angebot.

„Wer ein kleines Geschäft führt, muss sich spezialisieren und mit Fachberatung punkten.“

Marion Bär-Beer, Drogistin

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Herbert Beer leitete das Geschäft in weiterer Folge mehr als 30 Jahre lang und bis zu seiner Pensionierung 2001 gemeinsam mit seiner Frau Ines. Schließlich ist Marion Bär-Beer in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten. Allerdings nach leichten „Umwegen“. Denn nach der Matura war die heute 38-Jährige erst als Assistentin der Geschäftsleitung in einem größeren Vorarlberger Unternehmen beschäftigt. „Dann habe ich eine Familie gegründet“, erzählt die dreifache Mutter und lächelt. Im zweiten Bildungsweg absolvierte sie dann die Fachausbildung zur geprüften und konzessionierten Drogistin. „Als Mama war das schon anstrengend“, meint sie rückblickend. Inzwischen leitet die Kräuter-Expertin das Geschäft seit vier Jahren. Unterstützt wird sie im Laden ein paar Stunden pro Woche von ihrer Mutter Ines (69) sowie von zwei langjährigen Mitarbeiterinnen, welche Teilzeit angestellt sind.

Kampf gegen Ketten

Drogerie-Einzelfachgeschäfte wie die Alpendrogerie Beer sind inzwischen rar geworden. „Wer ein kleines Geschäft führt, muss sich spezialisieren und mit Fachberatung punkten. Sonst hat man keine Chance gegen große Ketten“, sagt Marion Bär-Beer. In ihrem Fall sind dies vor allem Naturheilmittel und Tees. „Wir haben zirka 150 verschiedene Kräuter hier. Auf Wunsch mischen wir diese natürlich auch für unsere Kunden“, erzählt sie weiter und fügt hinzu: „Die individuelle Beratung zählt sicherlich auch zu unseren Stärken.“

Ganau kontrolliert

Was die Heilkräuter betrifft, so ist es Bär-Beer wichtig zu betonen, dass diese Arnzeibuchqualität haben. Das bedeutet, dass die Kräuter auf ihren Gehalt an charakteristischen Wirkstoffen, wie zum Beispiel ätherische Öle, Schleimstoffe und Bitterstoffe kontrolliert werden. Diese sind für die Wirksamkeit der Pflanze entscheidend. Die Bregenzerwälderin sieht die Natur als Riesen-Apotheke. „Mit Naturheilmitteln kann vieles bewirkt werden und es ist mir wichtig, dass dieses kostbare Wissen nicht in Vergessenheit gerät und auch weiterentwickelt wird. Darum besuchen wir auch regelmäßig Fortbildungen“, sagt sie. Pflanzliche Präparate können ihrer Meinung nach auch im Bereich der Schulmedizin eine sinnvolle Ergänzung sein.

Neben Naturheilmitteln, Einreibungen und Heilkräutertees reicht die Produktpalette der Alpendrogerie von Medizinprodukten über Naturkosmetik bis hin zur Körperpflege. „Wir haben natürlich auch noch das klassische Drogeriesortiment. Darunter beispielsweise Zahnbürsten. Für Urlauber, welche diese daheim vergessen haben“, sagt die 38-Jährige und schmunzelt. Zu den Kunden der Alpendrogerie zählen neben den Dorfbewohnern auch viele Touristen. Ihr Hauptgeschäft macht die Drogistin daher in der Sommer- und Wintersaison. Von Vorteil ist dabei natürlich auch die Lage des Geschäfts. „Ich hätte gerne mehr Platz“, sagt Bär-Beer. Aber der Standort mitten im Dorf neben Gemeindeamt und Bushaltestelle sei ideal. Und neben der Lage punktet die Unternehmerin bei ihren Kunden auch mit dem nostalgischem Flair, welches im Geschäft herrscht.

MELANIE FETZ (TEXT),
KLAUS HARTINGER (FOTOS)